Month: October 2018

Die persönliche Begegnung bleibt zentral

Als frühere Leiterin einer Kunsthochschule ist Sibylle Omlin in der Kunstwelt zuhause. Sie beobachtet, wie die Digitalisierung die Kunst und den Kunstmarkt verändert. Gleichzeitig plädiert sie dafür, den Austausch in analogen Formaten nicht aufzugeben. Interview: Ronald Schenkel Wie funktioniert Wissensaneignung in der Kunst? Es ist immer schön, wenn man etwas in einer Gruppe erleben kann. Gerade bei Lernprozessen ist es wichtig, sich mit einem Experten austauschen zu können. Das ist wohl ein Grundmodell, das auf alle Bereiche der Pädagogik zutrifft. Künstlerinnen und Künstler hingegen sind oft stark motiviert, sich selber etwas anzueignen. So sind auch 50 bis 80 Prozent in der Kunstausbildung freie Atelierarbeit oder Projektarbeit. Man stellt die Künstlerin, den Künstler in den selbstbestimmten Kontext. Den organisiert er sich selbst und schaut, was sich daraus ergibt, was sich daraus machen lässt. Der Künstler, die Künstlerin ist also weitgehend auf sich selbst zurückgeworfen? Ja, das kann man so sagen. Man hat auch heute noch die Vorstellung von einem Talent, das der Künstler aus sich selber heraus entwickelt. Aber er tut dies natürlich in einem Umfeld. …

Für unser Gehirn ist alles echt

Isabella Pasqualini ist promovierte Architektin (ETHZ) und Neurowissenschaftlerin (EPFL). Sie erforscht das Verhältnis zwischen Körper und Raum mit Hilfe von immersiven, interaktiven Technologien. Ihre Arbeiten zeigen, dass Immersion sehr unterschiedlich erlebt wird und dass es höchste Zeit ist, sich bezüglich virtueller Realität auch mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Du erforschst das Verhältnis zwischen Körper und Raum. Wie machst du das? Ich bin Architektin und habe daher eine starke humanwissenschaftliche Prägung, habe mich aber auch zehn Jahre lang aus der Perspektive der kognitiven Neurowissenschaften mit dem Thema Körper und Raum befasst. Meine Arbeit im Labor ist eine Kombination aus kognitiver Neurowissenschaft und Bildgebung. Was heisst das konkret? Ich erforsche, wie der Raum das Körperbewusstsein beeinflusst. Dabei geht es nicht um eine metaphorische Ebene, sondern um motorische, haptische, visuelle Aspekte. Ich untersuche, wie diese Wahrnehmungen verarbeitet werden und wie das Selbstgefühl oder die Eigenkörpererfahrung sowie Emotionen generiert werden. Technologie spielt dabei eine wichtige Rolle. Was ist daran neu? Ich arbeite in interdisziplinären Teams mit Forschern aus Ingenieurwissenschaften, Neuropsychologie, Biologie oder Robotik zusammen. Was ich an Neuem einbringe, ist …